Sonntag, 21. November 2010

Die Rosacea am Auge - Teil 3: Therapie

Dieser Artikel ist, zusammen mit Teil 1 und Teil 2, eine Zusammenfassung dieses Papers:
Alvarenga L. S., Mannis M. J., Ocular Rosacea, The Ocular Surface, Januar 2005, Vol. 3. No.1, p. 41-58


Die Behandlung der Rosacea

Wichtig ist immer, dass eine gute Behandlung der Rosacea der Haut angestrebt wird, da dadurch auch das Auge davon profitieren kann. Hautarzt und Augenarzt müssen also zusammenarbeiten.
Der Patient sollte angehalten werden, Sonnenlicht und andere Auslöser zu vermeiden. Die Haupttherapie der Rosacea ist eine Antibiotikatherapie mit Tetracyclinen. Andere systemische Therapien (z.B. Metronidazol, Clindamycin, Erythromycin, Clarithromycin, Ampicilin, Retinoide, Clonidine, Rilmenidine) und auch lokale Therapie (z.B. Metronidazol, Azelainsäure) wurden mit Erfolg angewendet.
Die Behandlung der Rosacea am Auge beinhaltet eine befeuchtende Therapie, Lidrandhygiene, lokale entzündungshemmende Medikamente und systemische Antibiotika.


Befeuchtende Therapie
Künstliche Tränen reduzieren die Trockenheit an der Augenoberfläche und normalisieren die Osmolarität des Tränenfilms. Dadurch werden weniger Entzündungsmediatoren ausgeschüttet. Zudem fördern künstliche Tränen das Auswaschen von Entzündungsstoffen über die Tränenabflusswege. Die künstlichen Tränen sollten konservierungsmittelfrei sein, da Konservierungsstoffe sowohl den Tränenfilm als auch die Augenoberfläche zusätzlich schädigen.

Lidrandhygiene
Obwohl es wenig handfeste Studien zur Lidrandtherapie bei Rosacea gibt, wird von vielen Experten dies als wichtiger Therapieansatz gesehen. Warme Kompressen (Teebeutel, warmer Waschlappen, Wärmebrille, etc. ), vor allem bei Patienten mit eine Meibomdrüsendysfunktion, helfen das Sekret in den Drüsen zu verflüssigen, was die Abgabe auf die Lidkante verbessert. Zudem kann die Lidkante sanft mit dem Zeigefinger massiert werden, um das Sekret aus den Drüsen zu mobilisieren. Nach der Massage ist es zu empfehlen, die Lidkante mit einem Lidrandreiniger zu säubern. Wichtig ist, dass der Patient in dieser Massnahme gut instruiert wird und diese Behandlung auch regelmässig durchführt. Nur durch eine regelmässige Anwendung hat man eine Chance, die Meibomdrüsen und ihr Sekret, und somit auch die Rosacea am Auge, zu verbessern.

Antibiotische Salben zur Nacht
Diese vermindern die Anzahl Keime am Auge und erleichtern das Reinigen des Auges am Morgen. Das Problem ist aber, das die Bakterien mit der Zeit Resistenzen gegen die Antibiotika entwickeln - somit ist dieser Ansatz begrenzt.


Lokale antientzündliche Therapie

Kortikosteroide
Es gibt verschiedene kortisonhaltige Formulierungen für Augenentzündungen bei Rosacea. Zu bevorzugen sind solche, die nicht all zu tief ins Gewebe eindringen. Nach erfolgreicher Behandlung sollten Kortikosteroide adaptiert an die Augenentzündung langsam reduziert werden. Diese Therapie sollte aber nie alleine angewendet werden. Sie sollte im Verbund mit einer befeuchtenden Therapie, mit Lidrandhygiene und allfällig mit systemischen Antibiotika angewendet werden.
Vorsicht: Bei Hauterscheinungen der Rosacea sind Kortikosteroide in der Regel nicht angezeigt!

Metronidazol
Metronidazol wirkt vor allem antientzündlich und zeigt deshalb eine Verbesserung der Lidsituation bei Rosaceapatienten. Kommerziell verfügbar gibt es in der Schweiz keine Formulierung fürs Auge.

Nicht-Steroidale Entzündungshemmer (NSAID)
NSAID könnten in der Behandlung der Rosacea am Auge hilfreich sein, vor allem, da sie nicht wie das Kortison Nebenwirkungen wie Katarakt und Glaukom auslösen. Es wurden jedoch Komplikationen bei Rosaceapatienten gesehen; Einschmelzen der Hornhaut und Hornhautulzerationen beim Gebrauch von Diclofenac- oder Ketorolac-Augentropfen. Rosaceapatienten sollten daher unter NSAID-Therapie engmaschig kontrolliert werden.


Systemische Antibiotika

Tetracycline
Tetracycline können durch Herabregulierung von Entzündungsmediatoren wie MMP (Matrix-Metalloproteinasen) die Entzündung am Auge reduzieren. Zudem sind sie in der Lage sowohl die Lidbakterienflora und ihre Produkte (Lipasen) als auch das Meibomsekret zu beieinflussen. Sie sind zudem immunmodulierend.
Tetracycline sind die Hauptbehandlungsstrategie in der Behandlung der Rosacea. Folgende Tetracycline werden angewendet:
  1. Doxycyclin 100mg 2x/Tag für 2-3 Wochen und dann 100mg/Tag und später 50mg/Tag und 25mg/Tag, je nachdem wie der Patient anspricht. Gute Resultate wurden auch gesehen mit einer Initialdosis von 100mg/Tag, aber einer längeren Therapiedauer.
  2. Tetracycline (günstiger) 250mg 4x/Tag und dann eine Reduktion auf 2x/Tag und 1x/Tag. Patienten unter Tetracyclin sollten informiert werden, dass die gleichzeitige Aufnahme von Nahrung die Aufnahme des Tetracyclins behindern kann. Das Ziel sollte immer sein, sowenig wie möglich, aber so viel wie nötig.
  3. Minocyclin 50mg 1x/Tag für 2 Wochen und dann 50mg 2x/Tag für 10 weitere Wochen.
Grundsätzlich sollten alle Patienten unter einer solchen Therapie einen Sonnenschutz auftragen und auch weniger an die Sonne gehen; eine typische Nebernwirkung dieser Antibiotika ist eine Überempfindlichkeit gegen Sonnenstrahlen.

Metronidazol

Metronidazol ein Reservemedikament wenn die Tetracyclintherapie zu wenig anschlägt. Es hat einen Antabus-ähnlichen Effekt und deshalb sollte man unter dieser Therapie keinen Alkohol trinken. Die Dosis für die Rosacea ist 250-500mg/Tag über 2-6 Wochen.

Clarithromycin

Dieses Medikament wird ebenfalls angewendet für die Behandlung der Rosacea, aber die Studienlage ist noch so dünn, dass es gegenwärtig noch nicht empfohlen werden kann, dieses Medikament routinemässig anzuwenden.


Zusammenfassung

Rosacea ist häufig mit einer entzündlichen Entzündung der Augenoberfläche verbunden. Deshalb sollten Patienten mit einer Rosacea auch vom Augenarzt regelmässig gesehen werden, damit früh genug eine Therapie fürs Auge durchgeführt werden kann. Viele Patienten mit einer Rosacea am Auge haben eine Meibomdrüsendysfunktion und entzündliche Veränderungen der Augenoberfläche. Die Basis der Behandlung sind Lidrandtherapie, künstliche Tränen und lokale Entzündungshemmer. Die systemische Therapie beinhaltet in der Regel Antibotika z.B. Tetracycline. Bei korrekter Augenbehandlung kommt es selten zu schwerwiegenden Komplikationen.


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