Sonntag, 28. November 2010

Nebenwirkungen von Kosmetika an der Augenoberfläche

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung dieses Papers:
Coroneo M. T., Rosenberg F. M. L. Cheung L. M. The Ocular Surface, April 2006, Vol. 4. No.2, p. 94-102


Dieses Thema ist besonders interessant für viele Frauen. Für mich als Augenärztin ist es sehr wichtig über Kosmetika am Auge Bescheid zu wissen, da nicht selten diese die Ursache für tränende Augen, rote Augen oder Sehstörungen sind.
Dieser Artikel von Coroneo zeigt systematisch die Problematik auf. Viel Spass beim Lesen.


Kosmetika allgemein

Haarspray ins Auge
Beschwerden wie Sehstörungen, Rötungen und Irritationen können auftreten, wenn Haarspray direkt ins Auge kommt. In diesen Sprays befinden sich in Alkohol gelöste Harze und Acrylate (Bindemittel); zudem sind die Sprays in der Regel komprimiert. Der Effekt am Auge resultiert somit zum einen aus der Zusammensetzung des Sprays, zum anderen aus der Kraft, welche aufs Auge ausgeübt wird. Haufig erleidet die Hornhaut durch einen solchen Spray einen oberflächlichen Schaden. Oft sind diese Veränderungen mild und vorübergehend und verschwinden nach ein paar Tagen.

Parfüm
Direkter Kontakt mit Parfüm kann Tränen, Brennen, Schwellung und Rötung auslösen. Parfüm kann die Hornhautoberfläche ähnlich schädigen wie Haarspray - und heilt ähnlich schnell wieder ab. Es kann durch Parfüm zudem zu Lidrandentzündungen kommen.
Allergische Reaktionen durch Kontakt mit Parfüm werden vor allem durch Duft- und Konservierungsstoffe ausgelöst. Duftstoffallergien sind häufig, davon betroffen sind ca. 1% der Bevölkerung. Resultat dieser Allergien sind Hautentzündungen, welche nicht selten auch die Lider betreffen können.
In einer Studie konnte gezeigt werden, dass Dampfe von Parfüms, Haarspray oder Farbe den Laser in Laserzentren bei der Behandlung von Fehlsichtigkeit beeinträchtigen kann. Es wurde deshalb empfohlen, Patienten und auch dem Laserpersonal vor einer Laserbehandlung (z.B. LASIK) zu sagen, dass sie am Tag der Behandlung weder Parfüm noch Haarspray im Laserraum tragen sollten.

Haut- und Nagelprodukte
Hautprodukte, auch wenn diese eher entfernt vom Auge aufgetragen wurden, wandern während des Tages gegen das Auge und können dieses irritieren. So wurde eine Hornhautentzündung mit Fremdkörpergefühl nach Anwendung einer Peeling-Creme beschrieben. Als man die Hornhaut untersuchte, fand man kleine, glas-ähnliche Fremdkörperablagerungen. Hautpeelings können zusätzlich auch schwere Entzündungen der Lidkante auslösen.


Kosmetika fürs Auge

Mascara
Von Mascara ist bekannt, dass es sich an der Augenoberfläche ansammelt. Dies kann zur Folge haben, dass die Bindehaut diese Farbpigmente aufnimmt und einlagert. Es ist vorgekommen, dass so viel Mascara in die Bindehaut eingelagert wurde, dass der fälschliche Verdacht auf einen schwarzen Hautkrebs (Melanom) entstand.
Mascara an der Lidkante und im Tränenfilm
Die Instrumente, mit denen Mascara ans Auge gebracht wird, können die Augenoberfläche schädigen und auch bakterielle Infektionen auslösen. Vor allem unkonservierte Applikatoren sind häufig mit Mikroorganismen besiedelt und können chronische Lidrandentzündungen auslösen. In solchen Fällen kann ein Produktewechsel oft schon die Therapie der Wahl sein.
Weitere Veränderungen durch Mascara sind typische allergische Bindehautveränderungen vor allem der Lidbindehaut. Zudem sehen wir häufig Lidhautentzündungen (Liddermatitis) des Ober- und Unterlides. Für solche allergischen Reaktionen sind häufig verantwortlich:
  • Schwarzes Eisenoxid (Rost)
  • Kolophonium (braunschwarzes Baumharz)
  • Nickel
  • Carnaubawachs (Wachs, das aus den Blättern der in Brasilien wachsenden Carnaubapalme gewonnen wird)
  • Coathylen
  • Schellack (harzige Substanz, die aus Ausscheidungen der Lackschildlaus (Pflanzenläuse) nach ihrem Saugen an manchen Pflanzen gewonnen wird)
Mascara, welcher von einer zur anderen Person weitergereicht wird, kann ebenfalls Infektionen am Auge verursachen - es gab auch schon Infektionsausbrüche in Schulen...

Färben von Wimpern und Augenbrauen
Die verwendeten Farbstoffe für Wimpern und Augenbrauen (Toluenediamine, Paraphenylenediamine) führen zu einer dunklen Färbung der Haare. Eine Unverträglichkeit dieser Stoffe kann zu Lidhautentzündungen, Bindehautentzündungen und Lidrandentzündung führen. Wenn der Farbstoff nicht mehr angewendet wird, gehen diese Veränderungen i.d.R. wieder zurück.
Wichtig zu wissen ist, dass durch Haarfärbemittel, welches fälschlicherweise an den Wimpern angewendet wurde, auch schwere Komplikationen bis hin zum Sehverlust kommen kann. Aus diesem Grund sind Haarfäbemittel für die Wimpern- oder Augenbrauenfärbung verboten - und man sollte sich tunlichst an dieses Verbot halten. Wird es trotzdem angewendet, so ist damit zu rechnen, dass es zu einer Kontaktreaktion mit Schmerzen, Verbrennen der Wimpern, Rötung und Schwellung der Lider, Schwellung der Bindehaut (Chemosis), Epithelverlust der Hornhaut, Entzündung der Iris bis hin zu Entzündungen des Sehnerven (Neuritis nervi optici) mit resultierendem Sehverlust kommen kann.
Schwere toxische Reaktion nach Wimpernfärbung (eitrige Blasen, Pusteln)
Hautreaktion nach Wimpernfärbung



Kosmetische Operationen

Lidoperationen
Meist steht eine Entfernung der überschüssigen Haut sowohl am Ober- als auch am Unterlid im Vordergrund. Hier kann es vorkommen, dass durch eine zu starke Korrektur das Lid das Auge nicht mehr optimal abdeckt und die freiliegende Augenoberfläche austrocknet.
Seltene Komplikationen sind unschöne Narbenbildungen, Infektionen, Blutungen im Lidbereich oder in der Augenhöhle bis hin zu daraus resultierendem Druckschaden des Sehnervens mit Erblindung.

Anwendung von Botulinumtoxin ('Botox')
Dieses Medikament wird vor allem für die Glättung von Falten ums Auge angewendet. Die häufigsten Komplikationen sind: Blutungen, Bluterguss, Lidhängen und Kopfschmerzen. Ein Trockenes Auge kann entstehen, wenn Botulinumtoxin in die Tränendrüse eingespritzt wird.
Schwere Komplikationen sind: Lähmungen von Muskeln mit Ausbildung von Doppelbildern und Gesichtslähmungen.

Permanent Make-up
Hier werden vor allem Eisenoxide (aber auch andere Pigmente) für den Lid- oder den Augenbrauenstrich in die Haut eingebracht.
Nebenwirkungen: Infektionen, allergische Hautreaktionen, unschöne Narbenausbildung, Absterben von Lidgewebe, Wimpernverlust, Lidfehlstellungen und sehr selten Entzündungen im Bereich der Netzhaut. Zudem stören Permanent Make-ups in der Kernspintomographie (MRT) und können die Bildgebung erschweren. Permanent Make-up kann mittels Laser oder Chirurgie entfernt werden.

Augenbrauen-Piercing
Am Auge wurden nach Augenbrauen-Piercing schwere Entzündungen mit Knotenbildungen beschrieben. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen am Herz und im ganzen Körper.

Kosmetische Implantate am Auge
Es handelt sich hierbei um Augenschmuck, der unter die Bindehaut gesetzt wird. Meist sind dies Titanumimplantate in verschiedenen Formen (Herz, Stern,...). Gegenwärtig gibt es keine publizierten Artikel, welche von Komplikationen handeln - dennoch würde ich persönlich dringend von solchem Tun abraten.


Kosmetische Nebenwirkungen von Augentropfen

Weissmacher
"Weissmacher" sind in der Regel ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Sie sind populär, weil sie die Blutgefässe eng machen und das Auge damit weisser wird. Die Wirkstoffe (Naphazolin, Tetrahydrozolin, Phenylephrin) haben aber für das Auge bei häufiger Anwendung auch zahlreiche Nebenwirkungen. Dies beinhaltet immer wiederkehrende Rötungen, Bindehautentzündung, Ekzeme, Pupillenerweiterung, Sehstörungen, erhöhter oder tiefer Augendruck, Entzündung der Iris, oberflächliche Hornhautverletzungen und Farbablagerungen auf der Hornhaut. Solche Substanzen finden sich auch in Kontaktlinsenlösungen. Hier ist also Vorsicht geboten.

Glaukommedikamente
Prostaglandinanaloga wie z.B. Latanoprost (Xalatan®), Bimatoprost (Lumigan®), Travaprost (Travatan®) oder Tafluprost (Saflutan®) können kosmetische Nebenwirkungen am Auge haben: Rote Augen bzw. rote Bindehaut, Wimpernwachstum (die Wimpern werden dunkler, dichter und können auch die Wuchsrichtung ändern). Zudem kann es nach längerer Anwendung dieser Produkte zu einer permanenten (!) Braunverfärbung der Iris kommen, vor allem bei Patienten mit haselnussbraunen Augen und bei solchen mit gemischtfarbiger Iris. Auch die Haut um die Augen kann dunkler werden.
Werden die Produkte wieder abgesetzt wird (Nur in Rücksprache mit dem Augenarzt, unbehandelt droht beim Glaukom eine Erblindung!), gehen fast alle diese Veränderungen wieder zurück - nicht jedoch, wie erwähnt, die Veränderung der Augenfarbe.
Lokale Anwendung von Betablockern wurde mit Haarausfall assoziiert.


Zusammenfassung und Ratschläge

Substanzen und Prozeduren um schöner auszusehen führen nicht selten zu ungewollten Effekten am Auge und dann zum gegenteiligen Effekt. Die Nebenwirkungen gehen von leichten Irritationen bis hin zu schweren Entzündungen am Auge, schlimmstenfalls kann ein dauerhafter Sehverlust resultieren. Die wichtigsten Tips:
  1. Kosmetika die irritieren sofort absetzen. Werden die Symptome nicht besser, so sollten Sie zum Augenarzt
  2. Keine Kosmetika anwenden, wenn Sie eine Augeninfektion oder eine Entzündung ums Auge haben
  3. Waschen Sie Ihre Hände bevor Sie Augen-Make-up anwenden
  4. Keine Kosmetika ausleihen und vor Staub und Erde schützen, dies verzögert eine Besiedelung mit Bakterien
  5. Verwenden Sie keine alten Make-ups, geöffnetes Mascara sollte nach 3 Monaten ersetzt werden.
  6. Sie sollten Augen-Make-up nie mit Speichel oder Wasser befeuchten
  7. Kosmetika sollten unter 30 Grad gelagert sein, da sich sonst das Konservierungsmittel abbaut
  8. Vorsicht beim Entfernen des Make-ups, damit Sie das Auge nicht verletzen. Nie im Auge Make-up auftragen oder entfernen
  9. Benutzen Sie am Auge nur Kosmetika, welche auch dafür vorgesehen sind
  10. Vermeiden Sie Färbemittel, welche nicht für die Wimpern oder Brauen zugelassen sind. Es können schwere Nebenwirkungen auftreten

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